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Die UN mahnt: Uns läuft die Zeit davon
Die Zahl der Beschneidungen von Mädchen nimmt zu


Ende 2019 trafen sich die Staats- und Regierungschefs der Welt, um eine Reihe globaler Ziele zu erörtern, die 2015 mit großem Optimismus vereinbart wurden: Armut, Klimawandel und andere internationale Probleme sollten bis 2030 überwunden sein.  

Jetzt, auf dem ersten Gipfel seit Verabschiedung der Agenda, sehen die Politiker*innen zentrale Ziele für eine nachhaltige Entwicklung (SDGs) in Gefahr. Sie mahnen: Der Fortschritt bei acht Zielen müsse beschleunigt werden:

Statt die Armut bis 2030 zu besiegen, wird sie voraussichtlich zunehmen, mehr als 150 Millionen Frühehen bis 2030 werden wohl nicht zu verhindern sein und - jetzt kommt es - die Beschneidung von Mädchen wird dramatisch steigen.

Dramatische Steigerung

Zurzeit werden jährlich schätzungsweise 4,1 Millionen Mädchen an ihren Genitalien beschnitten. Aufgrund des Bevölkerungswachstums könnte diese Zahl, so schätzen die Vereinten Nationen, bis 2030 auf jährlich 4,6 Millionen steigen, wenn nicht größere Anstrengungen unternommen werden, um dies zu verhindern. (1) Der Trend in Afrika ist deutlich: Jetzt sind es 1,3 Milliarden Menschen, 2050 könnten es doppelt so viele sein. (2)

Wir haben diese Zahlen umgesetzt und einen ungefähren Wert ermittelt: Wenn wir die Zahlen der Vereinten Nationen zugrunde legen kommen wir bei dieser Prognose auf 44 Millionen Mädchen.

Hinzu kommen 2 Millionen Mädchen bis 2030: Der Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen befürchtete kürzlich, dass durch die Corona-Maßnahmen zusätzlich so viele Mädchen beschnitten werden. Sie sind ungeschützt, weil die Schulen geschlossen wurden und die Kontrollbehörden anderweitig eingesetzt wurden. Schulen sind weltweit wichtige Schutzräume für die Mädchen.  (3)

Das betreffe übrigens Fragen des Überlebens: Schulschließungen blockieren nicht nur den Zugang zu Bildung, Millionen von Kindern seien dadurch auch ohne Unterkunft und Nahrung. Weltweit würden rund 370 Millionen Schüler*innen Schulmahlzeiten verpassen, die häufig ihre einzige zuverlässige Nahrungsquelle sind. (4)



Widersprüchliche Zahlen

Weltweit
Fortschritte zu verzeichnen

Es scheint ein Widerspruch zu sein: UNICEF stellt in einer Studie fest, dass die Praxis von FGM/C insgesamt in den letzten drei Jahrzehnten zurückgegangen sei. In den 31 Ländern mit national repräsentativen Prävalenzdaten wurde jedes dritte Mädchen im Alter von 15 bis 19 Jahren beschnitten, gegenüber jedem zweiten vor 30 Jahren. Allerdings haben nicht alle Länder Fortschritte erzielt und die Abnahme ist ungleichmäßig. (5)


Ägypten
Rückgang von FGM/C

Eine Kohortenanalyse der demografischen und gesundheitlichen Erhebungen ergab, dass weibliche Genitalbeschneidung in Ägypten bis vor kurzem quasi universell existierte. Es gäbe nun aber Anzeichen dafür, dass die Praxis an Unterstützung verliere und weniger Mädchen beschnitten würden. Die Ergebnisse zeigten einen stetigen Rückgang von FGM/C. Das Grundrisiko für die Geburtskohorte 2010 betrage nur 30% derjenigen von 1987. (6)


Ägypten
Kaum Rückgang

Dagegen sagte Amel Fahmy, Direktorin eines Forschungszentrums, dass sich gegen die Beschneidung von Frauen einsetzt, dass etwa 92 Prozent der verheirateten Frauen zwischen 15 und 49 Jahren in Ägypten beschnitten wurden. Die Zahl der Beschneidungen bei jüngeren Generationen insbesondere in städtischen Gebieten würde abnehmen, der Rückgang sei jedoch so gering, dass er kaum einen Unterschied macht. (7)
Dunkelzifferstatistik von TERRE DES FEMMES

Die zentrale Grundlage für unsere Arbeit ist und bleibt die Dunkelzifferstatistik von TERRE DES FEMMES. Es ist für alle wichtig, zu wissen, wie hoch in den Herkunftsländern die Beschneidungsrate ist. 
Noch wichtiger ist, wer uns hier bei uns gegenübersteht. Da sind die speziell für die einzelnen Bundesländer durchgerechneten Zahlen der Dunkelzifferstatistik aufschlussreich.

Wir haben diese Zahlen für NRW in Karten umgewandelt. Es sind vor allem die Zahlen der bedrohten Mädchen in NRW, die uns erschüttert haben. 

Alle Karten finden Sie auf dem Bildungsportal KUTAIRI.


Hintergrund



Tradition
FGM/C ein Opferakt für das Göttliche?

Dr. Sada Mire erforscht die Geschichte von FGM/C und beschreibt, dass FGM/C weitaus tiefer in kulturellen Traditionen verwurzelt ist, als die meisten Aktivist*innen erkennen. Diese Wurzeln seien längst vergessen, selbst in den nordostafrikanischen Gesellschaften, in denen sie begonnen hätten. Und dieser Mangel an Wissen behindere die Bemühungen zur Lösung des Problems. „Aktivisten behaupten oft, dass es in der Tradition hauptsächlich um Jungfräulichkeit, Keuschheit, Vaterschaftsvertrauen oder die Kontrolle der Sexualität von Frauen geht“. Sie glaube jedoch, dass FGM/C stattdessen als Opferakt für das Göttliche begann wird. Die ursprüngliche Absicht sei nicht die Beziehung zwischen Menschen, sondern zwischen Menschen und Göttern gewesen. Weiterlesen

Länderinformationen


Ungarn
Istanbul-Konvention wird nicht ratifiziert

Die Istanbul-Konvention wurde von Ungarn 2014 unterzeichnet. Jetzt aber hat das ungarische Parlament die Ratifizierung der Konvention verweigert, weil sie "destruktive Geschlechterideologien" und "illegale Migration" fördere. Die Istanbul-Konvention ist das erste rechtsverbindliche Instrument zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und ein Meilenstein in der Geschichte des Schutzes der Frauenrechte. Es sieht unter anderem die Kriminalisierung von Missbräuchen wie FGM/C, Vergewaltigung in der Ehe und Zwangsheirat vor. Weiterlesen


 
Russland/Inguschetien
9-jähriges Mädchen beschnitten

Russische Rechtsaktivisten fordern eine umfassende Untersuchung der Beschneidung eines neunjährigen Mädchens. Laut einem Bericht von AFP wurde das Kind im Juni 2019 in einer Klinik in Magas ohne Zustimmung der Mutter und auf Initiative ihres Vaters beschnitten. Sie sei vom medizinischem Personal und ihrer Stiefmutter festgehalten worden, die ihre Schreie ignorierten.

Die Mutter erhob bereits Anklage gegen Izanya Nalgiyeva, die Gynäkologin der Aibolit-Klinik, die die Operation durchgeführt hatte. Weiterlesen


Bildungsoffensive

Wissen hilft

Wir wollen mit einer Bildungsoffensive dazu beitragen, dass mehr Menschen über weibliche Genitalbeschneidung Bescheid wissen.

Nur so können wir die Beschneidung weiterer Mädchen verhindern und den betroffenen Frauen helfen.


18.08.2020 - "Grundlagen - Erkennen und Handeln"
mit Jawahir Cumar

25.08.2020 - "Verantwortung und Rolle der Männer"
mit Ibrahim Gueye

28.08 2020 - "Tätigkeitsfeld einer Familienhebamme"
mit Jennifer Jaque-Rodney

01.09.2020 - "Tansania - Mädchen flüchten vor ihrer Beschneidung"
mit Maren Bröer

09.09.2020 - "Weibliche Genitalbeschneidung inkl. pädiatische Aspekte"
mit Dr. Christiane Thiele, Kinderärztin

14.09.2020 - "FGM/C in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit"
mit Stefanie Gilles und Darya Otto, Lobby für Mädchen


MITTWOCH-Talk
Genitalverstümmelung oder Mädchenbeschneidung... die Frage nach dem richtigen Begriff
am 26.08.2020 mit Jawahir Cumar und Günter Haverkamp

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Regelmäßig die NEWS lesen auf dem Bildungsportal KUTAIRI lesen lohnt sich!

Fortbildungen sind praktische Hilfe für die bedrohten Mädchen und betroffenen Frauen!


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